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Empfang Tourismus Malmedy Geschichte Die preußische Periode

Die preußische Periode (1815-1919)

Auf dem Wiener Kongress (1815) wird beschlossen, dass der Kanton Malmedy, der zu diesem Zeitpunkt auch den Kanton St. Vith umfasst, an Preußen angeschlossen wird. Ungefähr ein Jahrhundert lang sollte dies auch so bleiben.

Die Sonderstellung von Malmedy als einer romanischen (und sogar wallonischen) Stadt in einem deutschsprachigen Staat wie Preußen bringt in den ersten fünfzig Jahren keine größeren Probleme mit sich. Die Einwohner dürfen die französische Sprache nach Belieben gebrauchen, Gemeinderatsberatungen und -beschlüsse inbegriffen. Der Preußenkönig Friedrich-Wilhelm IV. versichert bei seinem Besuch der Stadt im Jahr 1853 sogar, dass er stolz darauf sei, am Rande seines Königreichs „ein kleines Gebiet, in dem man Französisch spricht“, zu besitzen.

Diese Lage verändert sich jedoch ganz allmählich, zunächst mit der Machtergreifung durch Reichskanzler Bismarck und dann vor allem mit dem deutsch-französischen Krieg von 1870 und dem kurz darauf folgenden Kulturkampf. In den Augen der preußischen Verwaltung hat Malmedy gleich einen doppelten Nachteil: Es ist gleichzeitig französischsprachig und mehrheitlich katholisch.
Von diesem Augenblick an muss Malmedy den Versuch einer auferzwungenen Germanisierung erdulden. In den Schulen wird der Französischunterricht verboten und dafür der Deutschunterricht obligatorisch. Außerdem wird den Gemeinden des Kantons verboten, die religiösen Kulte finanziell zu unterstützen, und die Pfarrer dürfen nicht mehr auf Französisch predigen (was einige durch das Predigen in Wallonisch zu umgehen versuchen).

Einige Unbeugsame gehen 1897 sogar so weit, einen „Club Wallon“ (Wallonischen Klub) zu gründen, der übrigens heute noch existiert. Im Großen und Ganzen passt sich aber die Mehrheit der Bevölkerung, die genug mit ganz alltäglichen Problemen zu tun hat, Stück für Stück an die Situation an, auch wenn das Wallonische für viele im Kreise von Familie und Freunden immer die bevorzugte Sprache bleibt.
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