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Empfang Tourismus Folklore und Karneval Der Karneval Von damals bis heute...

Von damals bis heute...

Wie allerorts, wo lebendiges Brauchtum noch gepflegt wird, so hat auch der Malmedyer Karneval „Cwarmê“ die Traditionen, Figuren und Merkmale im Laufe der Jahrzehnte bewahrt. Natürlich bleibt eine gewisse Anpassung an den Zeitgeist nicht aus.

Eine Tradition die sich nicht entwickelt bleibt mit der Zeit nur noch eine blasse Erinnerung. Verschiedene Masken, die damals ihren Auftritt feierten, sind mittlerweile aus dem Geschehen verschwunden. Von den früheren karnevalistischen Feierlichkeiten, die sicherlich rauer als heute waren, haben nur die gebildeten überlebt, indem sie sich die ausgeklügeltsten Manieren aneigneten und sich mit prunkvollen Kostümen schmückten.

Die „Djoupsènes“ z.B. traten in Banden auf, „schrieen wie Eulen“ (M.-A. Libert) und plünderten schamlos Häuser aus. Diese Gruppen stellten die Zigeuner dar, die von den „Fürstabten“ sogar noch zu Beginn des 18. Jhd. gehasst wurden, und von diesen Morddrohungen erhielten. Diese Banden hatten einen starken Einfluss auf die Gemüter der Menschen und wurden erst 1869 definitiv verboten.

Auch wenn von der „Comedia dell'Arte“ die Masken des „Harlekin“ und „Pierrot“ erhalten blieben, allerdings leicht umgewandelt, so ist es umso selbstverständlicher, dass andere Figuren von ihnen abgeleitet wurden. Der „Payasse“ wurde allerdings noch bis 1920 erwähnt.

Die „Botrèsses“, robuste Personen in Gestalt eines Gemüsegärtners aus der Lütticher Region, wurden oft wegen ihrer körperlichen Kräfte und rauen Worte im Karneval dargestellt.

Auf alten Abbildungen kann man neben den aktuellen Masken der „Longs-Bras“, „Longs-nez“ und „Longs-Ramons“ auch „Longs-cous“, „Longues-oreilles“ oder solche mit übertriebenen Körpergrößen erkennen. Alles was nicht den üblichen Normen entsprach,  wurde erbarmungslos ins Lächerliche gezogen.

Eine andere Figur, die auf jeden Fall erwähnenswert ist, ist die „Marèye-droûze“. Diese ordinäre und zerlumpte und mit einem langen Besen auftretende Klatschbase wurde erbarmungslos von den „Sâvadje-Haguète“ verfolgt und trat ohne Hemmungen durch die Türen und Fenster der Wohnungen ein, wobei sie ihren Verfolgern dann noch in provozierendem Maße zurief: „Êyou, dju n'a nin pawe du vos“, was soviel heißt wie „ich habe keine Angst vor euch“...

Bemerkenswert sind neben so vielen anderen auch die furchterregenden „Spaßmacher“, die eine Vorliebe dafür haben, die Menge so richtig zu ärgern oder die Schornsteinfeger, an die sich noch viele ältere Malmedyer erinnern.

Der jetzige Karneval hat sich zwar von diesen rauen Sitten weitgehend distanziert, ist aber ein richtiges Familienfest geworden. Es wäre sicherlich interessant, alte Traditionen oder in Vergessenheit geratene Masken – in Verantwortung der jeweiligen Karnevalsgesellschaften -  wiederzubeleben, so wie es für die „Djoupsène“ der Fall ist.

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