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Was ist das... und was ist es nicht?

Der Cwarmê ist, ganz einfach! So, wie er war und wahrscheinlich auch noch lange sein wird. Ein aufsässiger Geist, gemischt mit Gastfreundlichkeit und Liebenswürdigkeit, fließt seit uralten Zeiten in den Venen der Malmedyer, vom zartesten Alter an bis hin zum letzten Atemzug. Will heißen dass, selbst wenn nichts offiziell organisiert würde, der Cwarmê dennoch in seiner ganzen Echtheit bestehen, leben, ja explodieren würde, wahrscheinlich so wie zu den uralten Zeiten der spontanen Feste, Überbleibsel heidnischer Bräuche, in ihrem ersten und nobelsten Sinne genommen, nämlich in Verbundenheit zum Lande, zur Heimat. Das älteste bekannte Schriftstück, in dem der Cwarmê erwähnt wird, datiert von 1459. Wenn man sich auf dieses Datum basiert, würden wir uns also bald anschicken, den mindestens 550. Cwarmê der Geschichte zu erleben.

Der Cwarmê hat sich im Laufe der Jahrhunderte mit Geschichte und Volksglauben voll geladen und sich mit Legenden oder Bräuchen bereichert, welche wohl der grauen Vorzeit entstammen. Die traditionellen Masken – fünfzehn an der Zahl – tragen die entsprechenden Spuren. Der Vèheu spielt auf eine alte Praxis an, die im Mittelalter verbreitet war und von Breughel auf einem seiner Bilder dargestellt ist. Es handelt sich um die Jagd auf den Iltis: eine Truppe fröhlicher Kerle macht Jagd auf einen Witzbold, der von Haus zu Haus zog, Lebensmittel zu erbetteln oder zu entwenden, um damit einen Festschmaus zu organisieren. Die Haguète trägt den doppelköpfigen Adler des alten Stadtwappens, das aus einer Zeit lange vor dem 19. Jahrhundert stammt, Pièrot und Hârliquin sind ihren berühmten italienischen Vettern aus der ‚Comedia dell Arte' sehr nahe, der Sotai ist der Zwerg, der Kobold, der Wichtel von Bévercé und von unzähligen anderen Geschichten aus unseren tiefen Ardennen, die Grosse Police (dicke Polizei) spielt auf die französische Epoche an, in der Malmedy, bevor es während eines Jahrhunderts dem wallonischen Landesteil entzogen wurde, eine Unterpräfektur des Départements der Ourthe war. Die Attribute der Masken sind ihrerseits ebenfalls der Vergangenheit entliehen: Doppelhörner, Kornschaufeln, Fleischzangen, Ginsterbesen, Pfauen- und Straußenfedern, Schweineblasen, Schellen oder auch Fuchsschwänze...

Alle diese anspruchsvollen Kostüme, die nur am Sonntag hervorkommen, bilden an diesem Tag ein unglaubliches Patchwork von Farben und Bildern der lokalen Geschichte, zunächst fröhlich gemischt in einem Umzug, der „parade“ genannt wird, und später im Straßenkarneval, wo ein jeder nach eigenem Gutdünken bis zur Dämmerung unterwegs ist: dies ist der Moment der losen „bânes corantes“ (Jeckenbanden). Diese uralten Feierlichkeiten werden am Montag fortgeführt, dem Tag der „rôles“ (Rollenspiele), humoristischen Inszenierungen auf wandernden Gerüstbühnen, Überbleibsel des populären Volkstheaters von einst.

Das Fest geht auch noch am fetten Dienstag weiter, dem Tag der „Mâssîs toûrs“, an dem die Vereine einzeln umherziehen bis zum Verbrennen der Haguète um 19.00 Uhr auf dem Place Albert Ier (so l' Martchî). Diese Veranstaltung, welche 1954 den Brauch des Knochenverbrennens ersetzt hat – durch die religiösen Autoritäten bereits 1891 verboten – markiert das offizielle Ende des Karnevals.

Aber vorher, nichts als Fieber, nichts als Vorbereitungen, nichts als lange Schreibarbeiten und fleißiges Komponieren! Der Cwarmê, der sich im Laufe der Zeit von der einzigen durch die Malmedyer der vergangenen Jahrhunderte gesprochenen Sprache, dem Wallonischen, ernährt hat, dankt es ihm, indem er ihm ermöglicht – vielleicht mehr als anderswo – in einer Welt zu überleben, in der es mehr und mehr in die Ecke gedrängt wird. Hier triumphiert es, das Wallonische! Jede andere Sprache ist verbannt!

Die Malmedyer und alle ihre Freunde bereiten sich also lange vorher auf dieses „Hochamt“ des Karnevals vor, denn alles an diesem Fest ist rituell, traditionell, ja fast heilig. Während der vier fetten Donnerstage, die dem Karneval vorausgehen, verkleiden sie sich schon, begeben sich „in Stellung“, und proben ihre unzähligen lokalen Lieder. Und dann, am Samstag der Eröffnung, fließen Tränen und laufen Schauder den Rücken hinunter, wenn die ersten Noten der feierlichen „Marche du Trouv'lê“ widerhallen, nachdem dieser aus den Händen des Bürgermeisters seine „panûle“ (Kornschaufel der Bierbrauer) erhalten hat, das Zepter, welches seine Macht während des Karnevals symbolisiert, so wie zu alten Zeiten, als die Junggesellenvereine, die die Feierlichkeiten organisierten, ihren eigenen Polizeidienst versehen mussten. Aber nennen Sie ihn bloß nicht Prinz Karneval, so etwas gibt es hier nicht!

Dies ist er also, der Cwarmê. Einzigartig in seiner Struktur, in seinem Wesen: wahrscheinlich eine Synthese dessen, was die Volksfeste in der Wallonie und in Westeuropa vor langer Zeit gewesen sein könnten und wovon Malmedy zahlreiche Aspekte hat erhalten können, wahrscheinlich dank seiner geografischen Isolierung. Sein Karneval ist weit entfernt von kommerziellen Großereignissen, von einem Umzug mit zwar glänzenden Karnevalswagen und Gruppen, die aber aus allen Himmelsrichtungen stammen, oder von einem Katalog weit verstreuter und heterogener Traditionen. Die Malmedyer feiern unter sich, mit ihren Nachbarn und engen Freunden, gemäß tief verwurzelter und gut unterhaltener Traditionen. Sie laden die Welt dazu ein, ihre Freude zu teilen, in einem gutmütigen Geist, weit entfernt von jeglicher Zügellosigkeit, Anzüglichkeit und Vulgarität. Schlechter Geschmack hat hier keinen Zutritt.

Binv'nou à Mâm'dî èt ...à vosse santé,  Mèssîre Cwarmê !

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